Seit ich seit einigen Jahren die Wiener Literaturszene intensiv verfolge, hatten Literaturbegeisterte noch nie das Vergnügen, den amerikanischen Schriftsteller, Psychiater, Psychoanalytiker und Stanford-Professor Irvin D. Yalom in Wien zu erleben. Deshalb freute es mich besonders zu erfahren, dass Irvin D. Yaloms Roman “Und Nietzsche weinte” (englischer Titel: “When Nietzsche wept”) zum diesjährigen Gratis-Buch der Stadt Wien erklärt wurde und 100.000 Exemplare davon kostenlos verteilt wurden. Wer sich für die Anfänge und Grundsätze der Psychoanalyse und am Rande auch für die Philosophie Nietzsches interessiert, wird dieses Buch lieben – andere, die womöglich “Action” erwarten, möglicherweise eher nicht. Ganz allgemein halte ich Irvin D. Yalom für mich für eine der literarischen Entdeckungen der letzten 10 Jahre, weil die Lektüre seiner psychoanalytisch und -therapeutisch angehauchten Bücher – die, wie er bei der Lesung sagte, ursprünglich als Fallstudien für seine Studierenden gedacht waren – den eigenen Horizont deutlich erweitern und dazu anregen, oft unangenehme Wahrheiten über sich selbst zu entdecken und sich selbst schwierige Fragen zu stellen. Im Bild Yalom bei der Lesung in Wien mit der Gebärdensprachdolmetscherin.

